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Der Zuchtmeister
von Werner Pirker, JungeWelt
Israel übt Vergeltung an der Zivilbevölkerung
Ein Kommando des Islamischen Dschihad hat drei Soldaten der israelischen Besatzungsarmee, die sich seit 1967 illegal, weil gegen jedes internationale Recht, in der Westbank und im Gaza-Streifen aufhält, erschossen und damit den Waffenstillstand gebrochen. Die »Vergeltung«, die Israel dafür übt, trifft mit voller Wucht die palästinensische Zivilbevölkerung. Das Krankenhaus Gaza Europa in Rafah, einer autonomen Stadt im Süden des Gaza-Streifens, ist von israelischen Panzern umstellt – selbst die elementarsten humanitären Normen sind für die israelische Militärführung kein Tabu mehr. 73 Wohnhäuser wurden zerstört und 120 Familien obdachlos gemacht.
Israel ist Weltmeister im Zerstören von Wohnhäusern. Auch außerhalb des Kriegszustandes – im »normalen« täglichen Leben. Palästinensische Wohnstätten in Ost-Jerusalem werden nicht zerbombt oder von Panzern Kaputtgeschoßen, sondern ganz zivil von Bulldozern plattgemacht. Nicht Armeekommandos kommen dem städtischen Auftrag zur Schaffung von Grüngürteln in Ost-Jerusalem nach, sondern private Abrissfirmen. Die Kosten für den Abriss sind von den Delogierten zu bezahlen. Denn sie haben illegal gebaut, weil es ein ungeschriebenes israelisches Gesetz ist, dass Palästinenser auf ihren eigenen Grundstücken keine Baugenehmigung erhalten. Gegenwärtig stehen im arabischen Teil Jerusalems tausend Abrissbefehle zur Exekution an.
Das Gefühl, der israelischen Kolonialverwaltung ohnmächtig ausgeliefert zu sein, bekommt nun auch der Chef der Autonomie-Behörde, Yassir Arafat, zu spüren. Der betagte PLO-Führer sitzt wegen mangelnden Eifers bei der Durchführung der ihm von den Kolonialherren erteilten Aufgaben seit mehr als einem Monat in Hausarrest. Sollte er sich weiterhin störrisch zeigen, ließ Ariel Scharon wissen, würde man ihm genügend Zeit geben, zu Hause darüber nachzudenken. Und wenn das zehn Jahre dauern sollte. So spricht ein Zuchtmeister, der über die Autonomiegebiete verfügt, als wären sie eine Erziehungsanstalt.
Die erste Hausaufgabe, die Arafat zu erledigen hätte, wäre die Auslieferung der Mörder des israelischen Tourismusministers Rechavam Seevi. Man muss sich das mal umgekehrt vorstellen: Dass die palästinensische Behörde die Auslieferung der Mossad-Killer verlangen würde, die im Laufe der Jahre einen beträchtlichen Teil der PLO-Führung ausgerottet haben. Doch wer kann sich das schon vorstellen? Wer im israelisch-palästinensischen Verhältnis der fordernde und wer der geforderte Teil ist, steht nicht zur Frage und wird auch nicht in Frage gestellt.
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Mit freundlicher Genehmigung von |