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Dschenin und Racak
Israelische Soldaten als Totengräber
von Werner Pirker, JungeWelt 16.04.2002
Niedergewalzte Häuser, Leichen auf den Straßen, hilflos umherirrende Kinder. Das palästinensische Flüchtlingslager Dschenin gibt es nicht mehr. Von den israelischen Militärs auf die Liste der Terrornester gesetzt, bekam es die ganze Vernichtungswut der Besatzungsmacht zu spüren. Mindestens 500 Einwohner sind nach palästinensischen Angaben getötet worden. Dass sich israelische Soldaten als Leichenbestatter betätigen, legt die Vermutung nahe, dass die Spuren eines Massakers beseitigt werden sollen.
In EU-Kreisen spricht man von alarmierenden Berichten und droht mit »ernsten Konsequenzen«, sollten sie sich bewahrheiten. Wie ernst das zu nehmen ist, bewies das Abstimmungsverhalten Deutschlands und Großbritanniens, die in der UN-Menschenrechtskommission gegen eine Verurteilung Israels stimmten. Deutschland könne keine Resolution mittragen, in der von Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen Israels die Rede sei, sagte der deutsche UN-Botschafter Lewalter. Auf die Frage nach dem Wahrheitsgehalt dieses Vorwurfes ließ er sich erst gar nicht ein.
Einen solch schlampigen Umgang mit der Wahrheit haben die Deutschen auch gepflegt, als die gleichen Verbrechen Serbien vorgeworfen wurden. Die Serben waren ebenso grausamer Massaker zu überführen wie Israel von solchen Anschuldigungen freizusprechen ist. Dass die 45 Toten von Racak kaltblütig exekutierte Zivilisten gewesen seien, wurde als Tatsachenbehauptung und nicht etwa als »UCK-Angaben zufolge« in die Welt gesetzt und war der Überprüfung nicht wert. Racak folgte das Diktat von Rambouillet, und der Nichtannahme dieser Zumutung folgte der Krieg. Die Serben hatten eine internationale Kommission zur Untersuchung der vorgeblichen Massaker-Opfer angefordert. Deren Bericht, der eindeutig auf ein gestelltes Massaker schließen lässt, hat die NATO erst nach dem Krieg freigegeben.
Die Israelis verscharren ihre Opfer und würden eine internationale Untersuchungskommission niemals zulassen. Internationalen Druck haben sie deshalb nicht zu befürchten. Denn Israel wird ein Recht auf Selbstverteidigung im Kampf gegen den Terror zugestanden. Auch Serbien hat sich dieses Recht - im eigenen Land und nicht auf okkupiertem Territorium - herausgenommen. Und wurde damit bestraft, dass serbisches nun okkupiertes Territorium ist.
Die humanitäre Katastrophe, die im Kosovo behauptet wurde, ist in Palästina eine unleugbare Tatsache. Doch nun wähnt sich der Terror nicht in den »Menschenrechten« legitimiert, sondern die Verletzung der Menschenrechte im »Kampf gegen den Terror«.
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Mit freundlicher Genehmigung von |